Abrechnung zum letzten Kauf

erstellt am: 15.04.2017 | von: | Kategorie(n): Depot

Beim Investieren ist es wichtig, dass man seine Handlungen beständig überprüft und neu bewertet. Dies möchte ich jetzt mit diesem Beitrag tun.

Ich konsumiere regelmäßig Youtube-Kanäle zum Thema Finanzen/Börse/Wirtschaft und hole mir dort Wissen und auch Inspiration. Diesmal hat mir Jens Rabe mit einem Beitrag geholfen, meine Taten zu bewerten und zu überdenken. Neben diesem Video habe ich auch meine persönliche Erfahrung mit einfließen lassen.

Das erste was mir mit durch den Einkauf selber aufgefallen ist, ist das ich (mal wieder) zu früh eingestiegen bin. Das erste mal ist mir das bei HCP passiert. Damals lag bei HCP ein Spin-Off vor und die Aktie war schon ordentlich zurück gekommen und ich nahm an, dass das schon alles war. Allerdings ging damals die Aktie noch ein Stück runter. Ich hätte also gar nicht so früh handeln müssen. Dies ist mir bei Aurelius ebenfalls passiert. Als ich die Aktie erwarb, war sie wieder kurzfristig am Steigen. Allerdings war das natürlich kein echtes Steigen, sondern eine kleine Schwankung an einem Tag. Ich nahm aber an, dass das gröbste bereits ausgestanden sei. Jens Rabe weißt in seinem Video auch darauf hin, dass große Institutionelle sich bei so etwas mehr Zeit lassen und zeigt auch Charts von anderen Unternehmen, die unter einer Short-Attacke litten, dass der Kurs sich gar nicht so schnell wieder erholt hat. Und man sich deswegen beim Kaufen auch ruhig Zeit lassen kann. Nachfolgend mal der Chart von Wirecard.

Chart Wirecard

Die schwarzen Linien habe ich zur Verdeutlichung eingezeichnet. Wie man sieht, lag hier ein Zeitraum von fast sechs Monaten vor in denen der Kurs niedriger als zur Short-Attacke lag. Man hatte also quasi alle Zeit der Welt noch zu günstigeren Kursen einzukaufen.

Durch diese Aktion habe ich ebenfalls gelernt, dass es durchaus Sinn macht, erst mal nur eine kleine Position zu eröffnen, um dann ggf. noch weitere Anteile zu einem günstigeren Kurs erwerben kann. Durch das „All-in“ habe ich diese Chance leider verpasst und ich konnte somit meinen Kaufpreis auch nicht verbilligen.

Jens Rabe spricht in seinem Video an, dass die Bilanz von Unternehmen wie Aurelius sehr schwer zu lesen sind und die meisten Privatanleger diese nicht verstanden haben. Vor allem wenn sie viele Firmen kaufen, die gar nicht börsengehandelt sind. Dadurch fällt es schwer einen Wert für das Unternehmen zu berechnen. Ich denke mal, hier hat Jens Rabe sicherlich recht. Das traf bei mir auf jeden Fall zu. Diesen Schuh muss ich mir wohl anziehen.

Ein weiteres Problem bestand für mich darin, dass ich mir vor dem Kauf kein Kopf darum gemacht habe, was das KGaA in dem Namen steht. Das steht für Kommanditgesellschaft auf Aktien. An sich ist diese Gesellschaftsform kein Problem. Aber in diesem Kontext klingt das wenig gut. Vor allem wenn man vor diesem Hintergrund betrachtet, dass der Vorstand seine Aktien verkauft. Das wirkt in meinen Augen wie ein weiterer Sargnagel.

Ebenfalls ist das Verhalten des Vorstandes negativ aufgefallen. Er gibt keine Auskunft darüber, wie viele Anteile er noch an Aurelius hält. Da muss man sich fragen wieso er das nicht macht. Er hat möglicherweise keine Aktien mehr? Dann muss man sich fragen, warum hat er keine mehr. CEOs sollten eigentlich immer mit ihm Boot sitzen, damit sie im Sinn der Aktionäre handeln. Der Vorstand hatte sogar noch im März Aktien verkauft. Hier lag mir leider beim Kauf noch eine falsche Information vor (und ich habe mich von falschen Kommentaren blenden lassen) und ich fand zu diesem Zeitpunkt den Verkauf im Dezember 2016 als wenig kritisch. Hätte ich aber den Verkauf im März vor meinem Kauf gesehen, dann wäre ich vielleicht skeptisch geworden und der Kauf-Drang hätte sich vielleicht gar nicht erst eingestellt.

Einen weiteren Fehler, den Jens Rabe anspricht, ist das Verhalten der Privatanleger in den einschlägigen Communitys. Dort wurden viele negative Dinge über Gotham City gepostet. Das hat mich wahrscheinlich ebenfalls beeinflusst und Gotham City als die Bösen und Aurelius als die Guten zu sehen. Das ist aber kein rationales Verhalten und ich war durch Emotionen geleitet. Emotionen sind aber leider keine guten Berater. Ich habe die Kommentare nur gelesen und mich nicht aktiv an diesen Diskussionen beteiligt. An dieser Stelle muss ich definitiv noch ein wenig feilen. Wie das Schlussendlich aus sieht weiß ich noch nicht. Eine mögliche Form wäre, die betreffende Gruppe zu verlassen. Aber das wäre dann schon sehr radikaler Schritt. Aber vielleicht sogar das Beste. Mit solchen radikalen Einschnitten bin ich bisher sehr gut gefahren.

Normalerweise gucke ich mir den Kursverlauf von Aktien in Krisenzeit an. Warum ich das bei diesem Unternehmen nicht getan habe, ist mir schleierhaft. Das Geschäftsmodell ist für Baisse-Zeiten nicht geeignet. Der Kurs hat enorm gelitten. Sogar mehr als bei der Short-Attacke (Stand 15. April 2017).

Fazit

Wie man vielleicht schon aus dem Text herauslesen konnte, bin ich mit meinem Kauf am 28.03. nicht zufrieden. Deswegen habe ich mich schon am 10.04. für einen Verkauf meiner Anteile entschieden. Ich habe sie zu 41,253 EUR verkauft. Dadurch habe ich einen Verlust von 566,23 EUR hinnehmen müssen. Diesen Verlust werde ich aber im April und Mai durch eine höhere Sparquote ausgleichen. Jetzt werde ich das frei gewordene Kapital seiner ursprünglichen Verwendung zu führen. Damit wollte ich eigentlich zum ersten April beginnen.

 

 

 

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Kommentare

Das Geschäftsmodell von Aurelius finde ich persönlich extrem schwierig und undurchsichtig. Auch vor der Short Attacke konnte ich dem Unternehmen nix abgewinnen…

Auch wenn der Verlust weh getan hat denke ich, dass du das richtige mit dem Verkauf getan hast.

Hallo Marco,

nein, weh getan hat das nicht. Es ist eher ärgerlich.

Hi Florian,
bei Aurelius bin ich auch reingefallen, ich habe abends gesehen, dass die Aktie ordentlich verloren hat und am nächsten Tag gedacht, dass bei etwa 50 Euro Schluss sei und zugegriffen. Eine Stunde später ging es dann richtig bergab bis auf 35 Euro runter. Ein bisschen habe ich noch zu zocken versucht und einen neue Order bei 33 eingestellt, die aber nicht kam.
Aurelius hatte ich auf meiner Watchlist bei 56 Euro stehen, so dass ich 50 Euro als guten Wert gesehen habe, mittlerweile bin ich mir da nicht mehr sicher. Bevor ich den Verlust realisiere, warte ich aber jetzt trotzdem mal ab, was noch passiert. Falls die 33 Euro doch noch kommt, greife ich vielleicht doch nochmal zu, weil ich mir immer vorstelle, dass der Kurs irgendwann auch mal wieder auf über 50 steigt und ich die teuren Aktien einigermaßen neutral verkaufen kann und nur noch die günstigen habe. Wahrscheinlich auch nicht die beste Strategie…
Ach, in zwei, drei Jahren lachen wir drüber 🙂
Oz

Hallo Oz,

ich drücke dir die Daumen, dass du dein Ziel noch erreichen kannst. Mir persönlich wäre das aber nichts. Deswegen habe ich ja auch einfach so verkauft und lieber den Verlust realisiert.